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25.01.2016 - Picking up speed

Ihr Lieben!

Ich gebe mir alle Mühe, dass meine Motivation nicht einreißt, Euch auf dem Laufenden zu halten. Es fällt mir allerdings sehr schwer, die nötige Zeit zum berichten aufzubringen. Selbst unter der Woche ist eigentlich immer irgendwas los und selbst wenn ich mir nichts vornehme, sitze ich gemütlich mit meinen Mitbewohnern zusammen und denke weniger daran, mich mit meinem Laptop im Zimmer zu verkriechen.

Es sind inzwischen zwei weitere Wochenenden um und obwohl ich noch keinen größeren Ausflug außerhalb von Detroit unternommen habe, gibt es doch sehr viel zu erzählen. An meinem zweiten Wochenende war es in Royal Oak bitter, bitterkalt. Freitagabend habe ich mich mit Nicole verabredet und wir haben einen spaßigen Mädelsabend mit Wein, Schokolade und einem Film gemacht. Um ehrlich zu sein haben wir uns ziemlich abgeschossen und uns am Samstag von daher erst mal eine extra Portion Schlaf gegönnt. In Auburn Hills, ungefähr 25 Meilen nördlich, gibt es ein großes Outletcenter und dort verbrachten wir unseren Nachmittag. Ich hatte ja schon einiges über die amerikanischen Klamottenpreise gehört, aber man muss dann das Preisschild auf der Calvin Klein Hose doch mit eigenen Augen sehen – vor allem wenn eine 60 darauf abgedruckt ist. Und wir sprechen hier über Dollar! Ich hatte allerdings mein erstes Gehalt noch nicht bekommen und deswegen fungierte ich mehr als Beraterin und Taschen-Halterin für Nicole.

Gegen fünf fuhren wir zurück zu Nicole, weil ihr Mitbewohner ein paar Freunde zu sich eingeladen hatte und man es hier wirklich jede Chance ausnutzen muss, Amerikaner kennen zu lernen. Ansonsten trifft man hier wirklich überwiegend auf Deutsche! Ein paar Tage zuvor hatte Andrew mir Karten für die Detroit Autoshow bestellt, da er sie als GM Mitarbeiter zu einem günstigeren Tarif bekommt. Da Nicole mit der Arbeit gehen würde und Karen auch schlussendlich von ihrer Arbeitswoche in Grand Rapids wiedergekommen war, fuhren sie und ich Sonntagmittag nach Detroit. Leider war es so bevölkert, dass alle Parkhäuser belegt waren und wir nur noch in circa 10 Minuten Fußweg entfernt das Auto abstellen konnten. Normalerweise ist man schnell mal einen Kilometer gelaufen – aber nicht bei minus 17 Grad und gegen den Wind! Da halfen nicht einmal mehr Handschuhe, Mütze & Co.
Heftig bibbernd, aber mit immerhin noch allen 10 Fingern, kamen wir schließlich doch an der Messehalle an und fanden uns in einem Paradies für jeden Autoliebhaber wieder. Für Besucher der IAA in Frankfurt wäre der Besuch vermutlich gähnend langweilig gewesen, doch die gesamte Aufmache und die Show drum herum war sehr spektakulär und lohnenswert. Abends kam Nicole noch bei uns vorbei und wir kochten zusammen Putengeschnetzeltes. Das mit dem Einkaufen hab ich langsam echt raus…

Die anschließende Woche ging ebenso ereignisreich weiter. Montag war für viele Amerikaner ein Feiertag (Martin Luther King Day), doch die thyssenkrupp Praktikanten mussten ran. Als ich nach der Arbeit (und während eines wenig witzigen Schneesturms) nach Hause kam, wartete Andrew schon auf mich und wir saßen lange im Wohnzimmer und quatschten über unsere Wochenenden. Immerhin hatten wir uns drei Tage lang nicht gesehen! Gegen acht kam auch Fabian von seinem Trip aus Nashville wieder und gesellte sich zu uns. Mit den beiden Jungs verstehe ich mich echt blendend und doch war ich überrascht als es irgendwann schon elf Uhr war.

Dienstag war ich dementsprechend müde, doch an früh ins Bett gehen war abends trotzdem nicht zu denken. In der Nachbarschaft von Kathi hatte es einen Stromausfall gegeben und wenig später kam sie mit ihrem Mitbewohner im Schlepptau zur Tür rein. Der brachte auch direkt sein Abendessen mit, dass er nicht mehr geschafft hatte, zuhause zuzubereiten. Als dann auch noch ein anderer Kumpel von Fabian vorbeischaute, lud ich Nicole gleich auch noch zu unserem munterfröhlichen Beieinander ein. Der arme Andrew sah ein wenig geschockt aus, als er vom Sport zurück in ein vollgepacktes Wohnzimmer kam. Irgendwann gähnten Fabian und ich um die Wette und die anderen verabschiedeten sich gnädigerweise gegen zehn, um den Nachteulen Ihren Schlaf nicht zu verwehren. Es hat dann wohl auch nur noch eine halbe Stunde gedauert, bis der Strom bei ihnen zuhause wieder da war.

Mittwoch konnte ich es dann wirklich nicht länger aufschieben – ich musste einkaufen! Über einen kleinen Umweg fuhr ich zum Aldi und besorgte Obst, Gemüse, Nudeln und andere grundlegende Sachen (die zuhause komischerweise immer und zu jeder Zeit verfügbar sind!). Auf Empfehlung der Jungs fuhr ich im Anschluss direkt zum Holiday Market, einem Premium Supermarkt der von uns fußläufig zu erreichen ist. Ist ungefähr vergleichbar mit Rewe, nur noch teurer. Es gibt dort allerdings, das muss ich gestehen, alles was ein deutsches Herz begehrt. Neben der extra ausgeschriebenen „german“ Abteilung lädt auch eine weitläufige Käse- und Wursttheke zum hemmungslosen Kaufen ein. Ich ergänzte meinen Einkaufskorb mit Fleisch und Brot und fuhr fröhlich pfeifend die restlichen fünfzehn Sekunden zu uns vor die Haustür. Nach dreifachem hektischen Rein und Raus rennen (es herrschten immer noch stolze minus 12 Grad!) war mein Kofferraum dann auch endlich geleert und der Kühlschrank gefüllt. Anstatt dann die erfolgreichen Einkäufe direkt für ein Festessen zu verwenden, schnitt ich aufgeregt giggelnd das Brot auf. Irgendwann ging ich Andrew mit meiner Schwärmerei so auf die Nerven, dass er auch eine Scheibe probieren wollte. Die ich ihm, natürlich barmherzig wie ich war, abschnitt und mit Butter bestrich. Fabian war weniger beeindruckt, da er sein Brot regelmäßig selber bäckt. Wenigstens einen von den Jungs konnte ich begeistern.

Donnerstag arbeitete ich länger und aß meine hurtig gekochten Spagetti mit Andrew beim Fernsehen. Im Anschluss bewaffneten wir uns beide mit unseren Laptops und erstellten bucket lists (auch: to-do, bzw. Wunschlisten). Sein Lebenstraum ist es, in allen fünfzig amerikanischen Staaten gewesen zu sein – und bloßes Durchfahren gilt nicht! Er überlegte sich verschiedene Dinge, die man überall unternehmen könnte, gab mir zwischendurch Tipps und ich schrieb auf, welche Sehenswürdigkeiten ich in den verschiedenen Städten sehen möchte, in die ich reisen will. Unter anderem steht neben New York noch Chicago, Toronto, Boston, Nashville, Atlanta und Washington D.C. auf meiner Liste.

Freitag kam dann – endlich! – mein erster paycheck und zur Feier des Tages schlug ich den Mädels vor (diesmal war Karen bereits Freitagabend wieder da) essen zu gehen. Andrew empfahl mir ein chinesisches Restaurant in Royal Oak. Todesmutig entschieden wir, dorthin zu laufen und komischerweise kamen uns die minus 6 Grad auf einmal relativ warm vor! Nach dem Essen und längerem Hin und Her Überlegen fuhren wir dann doch noch zu einem der anderen Praktikantenhäuser, in dem einer der Jungs seine Abschiedsparty schmiss. Naja, es war eher ein Vorglühen als eine Party. Da Nicole Chauffeurin für uns spielte und Karen spontan samstags zum Arbeiten eingespannt worden war, blieben wir nur bis elf und kehrten ins unsere Bettpfannen zurück.

Der Samstagmorgen weckte uns mit Sonnenstrahlen und Nicole und ich fuhren nach unserem gemeinsamen Frühstück bei ihr und ihrem neuen Mitbewohner (ihr dürft raten, JA, auch ein Deutscher!) nach Detroit zu einem Bauernmarkt. Dort sahen das frische Obst und Gemüse so gut aus, dass wir gleich für Suppe einkauften. Als wir zurückkamen, schauten Fabian, Andrew und ein paar andere Jungs bei Nicole zuhause Bundesliga. Klar, wenn die Bayern rufen, kann man das schöne Wetter nach drei wolkenverhangenen Wochen auch mal ignorieren! Wir wärmten uns erst einmal mit heißer Schokolade auf und fingen dann an, das Gemüse zu schnippeln. Das ganze Prozedere dauerte dann doch länger als erwartet und wir mussten unsere angedachte Shoppingtour durch die Boutiquen von Royal Oak vorerst vertagen. Da der zum Bersten volle Topf für weitaus mehr als zwei Personen genügte, luden wir einige von den Jungs zusätzlich zum Suppe essen ein. Es stellte sich jedoch heraus, dass fast alle ausgeflogen waren und nur Fabian zusagte. Gegen fünf kam dann auch Karen von der Arbeit zurück und wir aßen in stiller Eintracht dampfende Gemüsesuppe. Fabian hatte bereits gegessen, damit er nicht von der Leichtigkeit der Suppe auch noch nach dem Essen mit knurrendem Magen für hochgezogene Augenbrauen sorgen würde.

Eigentlich hatten wir angedacht, an einem line dance Anfängerkurs teilzunehmen (das macht man eigentlich am besten in Nashville, da kommt viel eher Cowboy Feeling auf!) doch wir waren schon einigermaßen spät dran und die Bar war eine halbe Stunde Autofahrt entfernt. Wir sahen uns vier der Reihe nach an und entschieden uns lieber für einen netten (fast) Mädelsabend bei uns. Es standen schon seit Ewigkeiten Alkoholreste in zwanzig verschiedenen Ausführungen auf unserem Kühlschrank. Die machten sich immer wunderbar klirrend bemerkbar, wann immer jemand nur am Kühlschrank vorbeilief. Das ist natürlich sehr anstrengend auf die Dauer und so stellten wir uns unserem unwiderruflichen Schicksal und nahmen uns der Flaschen an. Karen und ich stellten verschiedene Säfte und Milch zur Verfügung und das muntere Mischen durfte beginnen, nachdem Fabian seine Goldgrube an einer Filmauswahl an unseren Fernseher angeschlossen hatte. Er hat ganz tapfer einen Mädchenfilm nach dem anderen mit angeschaut – die Getränke dienten ihm in dem Fall vermutlich um einiges mehr als uns.

Nicole übernachtete bei uns und am nächsten Morgen wurden wir von Pfannkuchenduft geweckt. Mein Schatz von einem Mitbewohner hatte sich anscheinend daran erinnert, dass ich an irgendeiner Stelle am Abend davor erwähnt hatte, dass ich super gern Pfannkuchen zum Frühstück äße. Tja, da hat er das direkt mal wahr gemacht. Karen und Nicole waren ebenfalls Feuer und Flamme und wir schmachteten Fabian mit (vielleicht etwas übertriebenen) verliebten Blicken an, wenn er mit einem neuen, dampfenden Pfannkuchen ins Wohnzimmer kam und diesen auf einem unserer Teller platzierte. Ich meine komm schon! Ein Mann, der Frühstück macht? Ohne Aufforderung? Ziemlich knorke!

Gegen elf fuhr Nicole nach Hause um sich umzuziehen, Karen hatte noch Arbeit zu tun und Fabian und ich hatten Skype Verabredungen. Später am Tag kam noch Joshua, ein Freund von der Uni, der in der gleichen Ecke hier Praktikum macht, bei mir vorbei. Wir fuhren nach Detroit zum Lunch – ein verspäteter Lunch, denn wir mussten über eine halbe Stunde auf einen Tisch und dann noch mal auf das georderte Essen warten. Von der aufwühlenden Fahrt über die Autobahn und nach downtown Detroit musste ich mich dann erst mal erholen. Die Mädels und Fabian, die inzwischen alle wieder im Wohnzimmer versammelt waren, nahmen mich mit, um in Royal Oak einen Kaffee trinken zu gehen. Leider war das Café, in das wir einkehren wollten, sehr voll und ich konnte keine Minute meines Tages mehr mit Warten auf einen freien Tisch verstreichen lassen. Im Endeffekt wurde aus unserem Kaffeeausflug nur ein kurzer Spaziergang und wir kehrten in unser schnuckeliges Wohnzimmer zurück. Dort gab es Kaffee und Kekse sogar umsonst! Andrew gesellte sich irgendwann zu uns, nachdem er den ganzen Tag hektisch durchs Haus gelaufen und sich etwas hyperaktiv zu erledigende Aufgaben gesucht hatte. Sein Samstagabend war auch etwas länger geworden als gedacht

Karen musste am nächsten Tag früh raus und war noch geschafft von unserem Flaschen-killen-Samstagabend und verabschiedete sich gegen halb acht in ihr Zimmer. Nicole und ich hockten mit Fabian (Andrew hatte sich dann doch schnell wieder verkrümelt; ich hab das Gefühl, er ist nicht gern in größeren Gesellschaften) weiter munter auf dem Sofa und schauten irgendeinen der Batman Filme an. Keiner von uns verfolgte die Handlung, denn wir hatten uns einfach immer noch voll viel zu erzählen!

Ich brachte die gähnende Nicole dann auch irgendwann nach Hause - sie hatte sich vorher zu Fuß mit Karen downtown getroffen und nur noch wenig Lust, durch die Kälte und in der Dunkelheit nach Hause zu marschieren. Als ich zurückkam, machten Fabian und ich allerdings noch nicht schlapp und teilten uns bis Filmende um halb zwölf noch eine XXL Pringles Packung.

Damit wären wir bei heute angelangt. Ich habe jetzt den Großteil der Wartezeit, bis Nicole gleich vom Sport zurück und hier vorbei kommt, schon rumgekriegt. Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Die Leute hier sind alle so cool drauf, dass ich gar keine Lust darauf habe, nur einen Abend alleine, bzw. ohne sie zu verbringen.

Ich bin jetzt schon gespannt, was uns nächstes Wochenende wieder für Spaß einfällt. Für den zweiten Februar haben wir Konzertkarten für Macklemore, am 13. Februar Musicaltickets und die ersten Flüge für Städtetrips sollten auch langsam gebucht werden. Der Januar neigt sich auch steil dem Ende zu und ich muss zusehen, dass ich an den Zeigern der Uhr etwas länger festhalten kann.

Ganz, ganz, ganz liebe Grüße und Umarmungen (und bitte seid nicht böse, wenn der nächste Blog wieder verspätet ist)

Charlotte
Charly oder
Charlet

26.1.16 03:34, kommentieren

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13.01.2016 - Mein erstes Wochenende

So, da bin ich ja schon wieder!

Es geht mit Riesenschritten voran Richtung Wochenende, also nutze ich die Gelegenheit um euch von meinem letzten zu erzählen. Um ehrlich zu sein ist das mein zweiter Versuch – als ich es am Montag schon mal fast fertig hatte, ist mein Laptop abgestürzt. Hoffentlich funktioniert es diesmal…

Am Freitag ist nicht Großes passiert, nachdem ich von der Arbeit nach Hause gekommen bin, habe ich bei Karen an der Tür angeklopft. Sie war letzte Woche krankgeschrieben und hat sich stundenlang Serien angeschaut. So kann man den Netflix Probemonat sehr effizient ausnutzen!

Wir saßen eine Weile bei ihr im Zimmer und nachdem wir ein paar Folgen Gossip Girl zusammen geschaut hatten, fingen wir an zu überlegen was wir am Wochenende unternehmen könnten. Das Wetter sah nämlich mit 2 Grad und Regen eher bescheiden aus. Deshalb suchten wir nach Alternativen für unsere downtown walking tour, die es in Detroit gibt. Die Zeit würden wir schon irgendwie zusammen umkriegen und zur Not einfach einen gemütlichen Tag im Bett mit mehr Gossip Girl einlegen.

Samstagmorgen war es dann aber relativ trocken draußen und sogar ziemlich warm bei ungefähr 7 Grad. Gegen Nachmittag kam sogar die Sonne raus und so haben Karen, Nicole und noch eine andere Bekannte von ihr, Sophia, uns das Auto geschnappt und sind nach Detroit losgefahren. Man muss wirklich gestehen dass man sieht, wie sehr die Stadt in den letzten Jahren gelitten hat – und doch ist sie einen Besuch absolut wert! Die Gegend in und um downtown ist sehr american-city-like: Sehr viele hohe Gebäude und viel Verkehr. An manchen Ecken änderte sich die Perspektive völlig, wenn man sich einfach nur umdrehte. Auf der einen Seite verfallene Gebäude und auf der anderen Seite alte Wohnungen, die restauriert und als Luxuswohnungen verkauft werden.

Unser Guide war ein sehr lustiges Kerlchen – sein Spruch zu Anfang der Tour war: Just follow the black guy with the red jacket! Wir sind um die zwei Stunden durch die Innenstadt gelaufen und durften uns einige interessante und lustige Anekdoten über Gebäude und die Personen dahinter anhören. Er führte uns auch in weniger besuchte kleine Straßen und empfahl uns verschiedene kleine Cafés, unter anderem auch einen Pub, dessen Räumlichkeiten früher als Verkaufshaus für Zugtickets verwendet wurde. Bis die Leute aufhörten, mit dem Zug zu fahren.

Wir sahen unter anderem auch das berühmte Renaissance Center (kurz: RenCen), das man auch kostenfrei besuchen und mit dem Aufzug hochfahren kann. Allerdings werden wir das noch einmal separat machen, da wir nur von weitem daran vorbei gelaufen sind. Dafür konnte man auf die andere Seite des Detroit river sehen – der eigentlich gar kein Fluss ist, da er lediglich Lake Erie und Lake Michigan verbindet – und den Kanadiern auf der anderen Seite winken.

Nach den zwei Stunden draußen war uns trotz der verhältnismäßig warmen Temperaturen sehr frisch um die Nase und wir kehrten in ein kleines Café ein, das seine eigene Kaffeerösterei als Deko mitten im Laden installiert hatte. Zwischendurch wurde es dann ziemlich laut und wir mussten uns über den Tisch anbrüllen, als die Kaffeebohnen gemahlen wurden. Wir bestellten uns vier große Kakao und quatschten noch eine Weile – immerhin kannte ich die anderen noch kaum.

Am späten Nachmittag fuhren wir dann zurück nach Royal Oak, nachdem wir für mehrere Stunden umsonst mitten in downtown geparkt hatten (fragt nicht, wie wir das geschafft haben!) und kehrten in Sophias Haus ein. Dort sollte an dem Abend ein get together stattfinden, es standen schon Snacks und Getränke überall bereit. An ihrem überraschten Gesichtsausdruck ließ sich ableiten, dass sie bis dato nichts davon gewusst hatte.

Der Rest von uns Mädels wurde auch herzlich eingeladen – doch wir fuhren erst einmal jeweils wieder nach Hause, um zu Abend zu essen. Auf dem Weg zu uns einigten Karen und ich uns darauf, an Wochenenden gemeinsam zu kochen. Das lohnt sich für uns beide viel mehr. Ich machte mit meinem Pfannkuchen Angebot den Auftakt für diese Tradition, und für eine tiefgründige Freundschaft als ich Karen versicherte, sie müsse sich nur aufs Sofa setzen und warten bis alles fertig sei.

Die Jungs steckten bei dem Geruch nach Essen sofort ihre Nasen vor ihre Zimmertüren und schauten neidisch auf den sich mit mehr und mehr Pfannkuchen füllenden Teller. Später entschieden Karen und ich, dass uns nicht nach Party zumute war und Nicole kam mit Snacks vorbei. Wir schauten einen relativ handlungsschwachen aber konsequenterweise auch irre lustigen Film und lachten über uns selbst, weil wir abwechselnd um die Wette gähnten – um halb elf Samstagabend! Ich schiebe das ganz klar auf die frühe Dunkelheit und die niedrigen Temperaturen.

Die bescherten uns dann in der Nacht auf Sonntag mit einer netten Ladung Schnee – und es hörte auch erst einmal nicht auf. Wir waren mit Kathi, einer Freundin von Fabian (meinem Mitbewohner) zum Brunch verabredet. Nach einer heißen Dusche wappnete ich mich mit extra Socken, Mütze, Handschuhen, zwei Schals und der dicken Winterjacke. Als ich nach unten ins Wohnzimmer ging erzählte mir Karen jedoch, dass wir abgeholt würden anstatt die circa zehn Minuten zu unserer Brunchlocation zu laufen. Diese Angewohnheit schlägt leider auch sehr schnell auf die Deutschen über, das ständige mit-dem-Auto-überall-hin-Gefahre.

Im gefühlten Schritttempo fuhren wir auf die nächstgrößere Straße und konnten in den Schneewehen kaum Straßenschilder erkennen. Ich war wirklich froh, nicht der Fahrer zu sein. Als wir einen Parkplatz gefunden hatten und durchgeschüttelt von der einen Minute zwischen Auto- und Haustür ins Café stolperten, bestellten wir uns sofort warme Getränke und süße Frühstücksspeisen. Das mit dem Buffet ist hier nicht so Gang und Gebe.

Nachdem wir uns aufgewärmt hatten, machte sich schnell ein winterlich-romantisches Gefühl ein: Während wir drinnen zwischen altmodischer Einrichtung saßen und Cappuccino tranken, schneite es sich vor den Fenstern ein. Da Wasser umsonst serviert und ständig neu aufgefüllt wird, sahen wir keinen Grund, uns sehr bald auf den Rückweg zu machen, selbst als wir schon fertig gegessen hatten. Wir lernten uns alle besser kennen, tauschten uns über Erfahrungen, bisher unternommene Städtetrips und das allgemeine Erlebnis USA aus.

Da ich dann aber doch um 14 Uhr zum skypen verabredet war und das Café unseren Tisch brauchte, machten wir uns am frühen Nachmittag auf den Rückweg. Ich hatte mir fest vorgenommen, an dem Sonntag meine Lebensmitteleinkäufe zu erledigen – unabhängig vom Wetter. Einen weiteren Tag hätte ich nicht warten können, abgesehen davon dass mir die Zeit gefehlt hätte, quer durch die Stadt zu tuckern. Gott sei Dank hörte es an irgendeinem Punkt auf zu schneien und ich musste (nur!) die 15 cm von meinem Auto schaufeln.

Der Einkauf war dann auch super erfolgreich (ja, ich gebe zu: Mama hatte mir ein paar Tipps zu Rezepten gegeben und ich hatte einen detaillierten Einkaufszettel) und ich war bester Laune, als ich zurück nach Hause fuhr. Andrew war sehr amüsiert über meine kindliche Freude, als ich meine 10 Plastiktüten auf dem Küchenboden ausbreitete und alles sorgfältig sortierte. Ich kochte am Sonntagabend allerdings nicht, da ich vom Brunch noch relativ gesättigt war.

Es kam kurz später ein anderer Praktikant von Ernst & Young vorbei, der mit Karen zusammen arbeitet. Ein neuer Praktikant sollte in Kürze in Detroit landen und die zwei hatten sich für den Abtransport bereit erklärt. Später sollte dann noch ein Abschiedsessen eines anderen Praktikanten (es gibt hier tausende!) in einem koreanischen Restaurant stattfinden.

Bis es Zeit dafür war, saß ich mit Andrew im Wohnzimmer und wir haben uns sehr nett unterhalten. Er ist wirklich ein total lieber Kerl und wir haben jeden Abend dieses „Hello, I am home! How was your day?“-Happening. It’s pretty cute, though. Wir verstehen uns sogar so gut, dass wir gestern zusammen aus waren, um mit ein paar Freunden von ihm in einer Bar um die Ecke an einem Quizabend teilzunehmen. An allen Ecken lernt man neue, nette Leute kennen. Gut, dass mein iPhone keine Obergrenze für meine Kontaktliste vorsieht.

Meine Laune steigt auf jeden Fall exponentiell an

 Das mit den Fotos klappt noch nicht so ganz, ich versuche es beim nächsten Mal.

 

13.1.16 20:02, kommentieren